24.02.2015

„Akteure des Neuen Frankfurt“

Neues Lexikon in der Reihe "Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst"


Zwischen 1925 und 1932 war Frankfurt am Main nicht nur der Ort eines beispielhaften Wohnungs- und Städtebauprogramms von internationaler Ausstrahlung, sondern auch eine kulturelle Hochburg der Weimarer Republik. Während der Ära des liberalen Oberbürgermeisters Ludwig Landmann erhielt die Stadt einen beispiellosen Schub in die Moderne, von dem ebenfalls die bildenden und darstellenden Künste profitierten.

Unter dem Begriff „Das Neue Frankfurt“, der sich mit dem Namen des Stadtbaurats Ernst May (1886-1970) verbindet, ging diese Periode in die Architektur- und Kulturgeschichte ein. Auf zahlreichen Gebieten wurde damals Pionierarbeit geleistet (z. B. Typisierung von Wohnungsgrundrisse, Entwurf der ersten Standardküche, industrielle Vorfertigung des Rohbaus, funktionales Mobiliar, integrierte Stadt- und Grünplanung), die beachtete Vorbilder avantgardistischer Architektur hervorbrachte.


Wilhelm Carlé:
August Robert Lingnau, Ludwig Landmann, Ernst May und Martin Elsaesser vor der Großmarkthalle Frankfurt, 1928,

Bildquelle: Martin Elsaesser Stiftung Archiv

 

 

Die damals erreichten Erfolge sind als das Werk eines Netzwerks von Personen anzusehen, denen das Ziel der Schaffung einer musterhaften Großstadt der Moderne gemeinsam gewesen ist. Diese Personen nennen die Herausgeber die „Akteure“ des Neuen Frankfurt. Dieses Netzwerk umfasste nicht nur die unmittelbare „Mannschaft“ Mays in der Frankfurter Bauverwaltung und die kooperierenden Architekten, sondern ebenso mit dem Neuen Frankfurt verbundene Vertreter der angewandten und bildenden Künste, Garten- und Landschaftsplaner, Industriedesigner und Gebrauchsgrafiker, Fotografen, Hygieniker, Ökonomen, Journalisten, Publizisten und Politiker.


Rembrandt van Rijn,
Dr. Hans Flesch, künstlerischer Leiter des Frankfurter Rundfunks, um 1925,

Bildquelle: historisches museum frankfurt

 

 

Viele dieser Akteure sind bis heute wenig erforscht. Auch fehlt es bisher an einer Darstellung, die das Wirken dieser Gruppe im Gesamtzusammenhang und in ihren Vernetzungen erfasste und bewertete. Das nun erschienene Werk liefert jetzt eine Gesamtübersicht aller Architekten und sonstigen Teilnehmer des Neuen Frankfurt, die sowohl einen aufklärenden Beitrag zu den Beziehungsnetzen der internationalen Architekturmoderne darstellt – weil die Akteure mit vielen anderen Handlungsorten verknüpft waren – als auch ein Grundlagenwerk zum wohl bedeutendsten Kapitel der Frankfurter Baugeschichte.


Unbekannt:
Frankfurt, Dachdecker im Karnevalsumzug, Februar 1929,

Bildquelle: historisches museum frankfurt

 

 

Das Buch wird durch vier Essays eingeleitet, die Begriff und Rezeption des „Neuen Frankfurt“, dessen politisches und wirtschaftliches Umfeld, seine Architektur und das Instrument der Ausstellung zur kulturellen und städtebaulicher Vermittlung beleuchten. Ein umfassender Abbildungsteil illustriert die Vielfalt der architektonischen und gestalterischen Ergebnisse dieser Zeit. Im Hauptteil des Buches, das als personengeschichtliches Lexikon konzipiert ist, werden die „Akteure des Neuen Frankfurt“ in rund 150 Biografien vorstellt. Ein abschließendes Glossar erläutert zum Teil noch weitgehend unbekannte Gruppierungen und Ereignisse.


Werner Epstein:
Werbeheft des Radiosenders Frankfurt (Rückseite), 1929

Bildquelle: historisches museum frankfurt

 

 

Als Verfasser konnten 25 Autoren gewonnen werden, von denen nicht wenige durch eigene Publikationen zur Erforschung des Neuen Frankfurt und dessen Umfeld sowie zur Architekturmoderne beigetragen haben. Mit Kunsthistorikern, Architekturhistorikern, Historikern, Journalisten und Archivaren bewegt sich das Autorenteam auf einem breiten Spektrum der Kulturwissenschaften und entziffert das Netzwerk des Neuen Frankfurt in seinen verschiedenen Disziplinen und Clustern.

Das vorliegende Projekt entstand aus einer gemeinsamen Initiative von Christina Gräwe, Ulrike May, Claudia Quiring, Jörg Schilling und Wolfgang Voigt und ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Deutschen Architekturmuseum, dem Institut für Stadtgeschichte und dem historischen museum frankfurt.

 


Akteure des Neuen Frankfurt. Biografien aus Architektur, Politik und Kultur
„Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst“, Bd. 75
Hrsg. Von Evelyn Brockhoff, Christina Gräwe, Ulrike May, Claudia Quiring, Jörg Schilling und Wolfgang Voigt

Broschur, 232 Seiten, Societäts Verlag, Frankfurt 2016
ISBN: 978-3-95542-160-1
Preis im Buchhandel: 29,80 €

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