09.10.2017

Samstag, 14. Oktober 2017, 18 Uhr

vernissage der sonderausstellung:
ernst may und die skulptur. von richard scheibe bis seff weidl


Ort: ernst-may-haus, im Burgfeld 136, Frankfurt-Römerstadt
Kurator: Florian Seidel, Freier Architekt, Berlin

Ernst May verband zeit seines Lebens eine besondere Beziehung mit der bildenden Kunst und speziell der Bildhauerei. Nach eigener Aussage wäre der Architekt selbst gerne bildender Künstler geworden, entschied sich dann jedoch für den Beruf des Architekten. Während der Zeit des Neuen Frankfurt pflegte May stets Austausch mit zeitgenössischen Bildhauern, wie Richard Scheibe und Josef Hartwig, in den 1950er Jahren dann mit Bernhard Heiliger und Seff Weidl. Weidls monumentale Bronzeskulpturen formen integrale Bestandteile von Bauten und städtebaulichen Ensembles, die Ernst May für die Neue Heimat realisierte.

Die Ausstellung untersucht die Wechselwirkungen zwischen Ernst Mays Architektur und der Bildhauerei, angefangen bei seinem Frühwerk, seinen Arbeiten in Frankfurt am Main, bis hin zu seinen Arbeiten der Nachkriegszeit.


Richard Scheibe und Josef Hartwig

In seiner Zeit als Frankfurter Baudezernent hatte May engen Kontakt zu zwei Bildhauern: Richard Scheibe (1879-1964) und Josef Hartwig (1880-1955). Insbesondere zur Kunst Scheibes schien May eine enge Verbundenheit zu spüren, räumte er ihr doch in einer frühen Ausgabe des „Neuen Frankfurt“ breiten Raum ein.

 

 Richard Scheibe: Friedrich-Ebert-Denkmal an der Frankfurter Paulskirche, 1926 
(Foto: Julius Reinsberg)

Josef Hartwig, der zuvor am Bauhaus gearbeitet hatte, lehrte wie Richard Scheibe Bildhauerei an der Frankfurter Kunstgewerbeschule. Seine Vorschläge für vereinheitlichte und radikal vereinfachte Grabsteine auf dem Frankfurter Haupfriedhof wurden ebenfalls in der Zeitschrift „Das neue Frankfurt“ veröffentlicht.

 

 Rudolf Hartwig: Entwurf für Grabmal (Das Neue Frankfurt 06/1928)


Seff Weidl

Nach der Rückkehr aus dem Exil in Ostafrika im Jahr 1954 arbeitete May zunächst etwa zwei Jahre lang als Leiter der Planungsabteilung der Neuen Heimat in Hamburg, ehe er er als freier Planer und Architekt tätig wurde. In diese Zeit fiel seine Begegnung mit dem Bildhauer Seff Weidl (1915-1974). Weidl gestaltete zunächst eine große Mosaikwand in der Eingangshalle des Verwaltungshochhauses der Neuen Heimat, das von May entworfen worden war. Das Motiv des Mosaiks zeigt unter anderem den Architekten bei der Erläuterung eines Plans und die Übergabe eines Gebäudes an eine Familie, wodurch sich eine enge thematische Verknüpfung zur Arbeit der Neuen Heimat ergab.

 Seff Weidl: Mosaikwand in der Eingangshalle des Verwaltungsgebäudes der Neuen Heimat, 1957 (Foto: Hamburgisches Architekturarchiv)

Anlässlich der feierlichen Einweihung des Gebäudes im November 1957 fertigte Weidl Skizzen für eine geplante Porträtskulptur von Ernst May an, die in der Ausstellung zu sehen sind. Die Neue Heimat beauftragte Weidl anlässlich der Einweihung des Verwaltungsgebäudes sogleich mit einem weiteren Werk: Die Bronzeskulptur „Der Bauherr“, die neben dem Eingang ihren Platz finden sollte.

 Seff Weidl: Skulptur „Einigkeit“ in der Gartenstadt Vahr, Bremen, 1959
(Foto: Hamburgisches Architekturarchiv)

Ein weiteres Werk Seff Weidls für die Neuen Heimat war die Bronzeskulptur „Einigkeit“ im Zentrum der Gartenstadt Vahr in Bremen, einem städtebaulichen Entwurf von Ernst May mit den Bremer Architekten Säume und Hafemann, aus dem Jahr 1959. May zählte über mehrere Jahre hinweg zu den wichtigsten Förderern Weidls, der zu dieser Zeit Aufsehen erregende Erfolge feierte, jedoch nach seinem Tod beinahe in Vergessenheit geriet. Neben den erwähnten Porträtskizzen sind in der Ausstellung einige Bronzearbeiten Weidls aus der Zeit seiner Zusammenarbeit mit Ernst May zu sehen.

Bernhard Heiliger

Das in der Ausstellung ebenfalls gezeigte Porträt Mays aus dem Jahr 1961 ist eines der letzten Werke einer Serie des Berliner Bildhauers Bernhard Heiliger (1915-1995). Die Skulptur, die als Bronzeguss im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ausgestellt ist, wurde wahrscheinlich zu Mays 75. Geburtstag im Juli 1961 in Auftrag gegeben. In der Ausstellung wird die weniger bekannte Variante als Steinguss präsentiert.

 Bernhard Heiliger: Porträtplastik Ernst May, 1961-62 (Foto: Vlatka Seremet)

Begeistert von der Plastik, die er im Juli 1962 erhielt, schrieb May an Bernhard Heiliger: „Mein Konterfei ist wohl behalten eingetroffen, und ich kann Sie nur beglückwünschen zu der hervorragenden Leistung, die Sie vollbracht haben. Meine Frau und ich finden den Kopf ausgezeichnet, und sind vor allem beglückt über die kraftvolle Technik, mit der Sie die Aufgabe bewältigt haben.“

 



Ausstellung
14. Okt 2017 - 1. Apr 2018

Vernissage: 
14. Okt 2017 um 18:00 Uhr im ernst-may-haus, Im Burgfeld 136, 60439 Frankfurt

Informationsbroschüre:
liegt während der Ausstellung im ernst-may-haus aus.