01.01.2020

Exponat des Monats Januar 2020

Perkolator von WMF


Im Mai 1929 berichtete der ABG-Mitarbeiter Ludwig Grünig in der Zeitschrift „Moderner Wohnbau“ über die „Elektrische Küche in der Siedlung Römerstadt“. Dem Artikel fügte er die nebenstehende Fotografie bei, auf der zahlreiche elektrische Geräte zu entdecken sind: die Deckenleuchte, der Herd, das Bügeleisen, der Wasserkocher und eine Maschine, die einem Pokal sehr ähnlich sieht. Doch was ist das? Viele denken zunächst an einen Samowar, doch es ist ein Perkolator – eine Kaffeemaschine!

Perkolator, die Bezeichnung für dieses Gerät, beschreibt bereits dessen Funktionsweise, denn percolare bedeutet im Lateinischen „durchseihen“ oder „durchsickern lassen“: Der kugelförmige Bauch des Gefäßes wird mit Wasser gefüllt und anschließend setzt man das Metallrohr hinein, an dessen oberen Ende ein durchlöcherter Zylinder befestigt ist. In diesen hinein füllt man das Kaffeepulver. Über das Kaffeepulver sickert das Wasser, welches beim Erhitzen durch das Metallrohr nach oben gedrückt wurde. Der aus dem Sieb tropfende Kaffee vermischt sich anschließend mit dem Wasser im Gefäß. Die Zirkulation wird so lange fortgesetzt, bis der Kaffee die gewünschte Stärke erreicht hat. Durch den gläsernen Deckel kann der Prozess des Brühens beobachtet werden. Ist der Kaffee fertig, wird er aus dem Hahn gezapft.
 

Elektrisch betriebener WMF-Perkolator

Foto: Christina Treutlein


Der Perkolator wurde bereits Anfang des 19. Jahrhunderts erfunden, doch war er damals noch nicht elektrisch betrieben. Vor der Elektrifizierung stellte man einen Brenner auf den zwischen den Füßen befestigten Teller. Die elektrische Heizvorrichtung (120 V, 350 W) wurde bei diesem Gerät einfach an den Boden des Gefäßes geschraubt, der Tellers war somit überflüssig. Dass er noch nicht entfernt wurde, deutet auf eine zweigleisige Produktion hin. Da Mitte der 1920er Jahre noch längst nicht alle Haushalte einen Stromanschluss hatten, fertigte die Firma WMF zeitgleich Perkolatoren die elektrisch bzw. mit einem Brenner beheizt wurden. 
 

WMF-Straußenmarke auf der Unterseite des Perkolators


Auf der Unterseite trägt dieser Perkolator die Straußenmarke der Firma WMF (Württembergischen Metallwarenfabrik), welche zwischen 1909/10 und 1930 verwendet wurde. Unser Gerät ist dem auf der Fotografie von 1929 sehr ähnlich.

 

Text: Christina Treutlein