Von: ct
08.10.2021

Exponat des Monats Oktober 2021

Abtropfgitter und -wanne im Topfschrank


In der Frankfurter Küche finden sich viele Details, die der Hausfrau die Arbeit erleichtern und Zeit sparen sollten. Eine dieser unscheinbaren und hinter einer Schranktüre versteckten Finessen ist das Abtropfgitter mit Wanne im Topfschrank.

 


Abtropfgitter und Abtropfwanne
(Foto: Christina Treutlein)

 

Wieso soll man Töpfe mit einem Geschirrtuch trockenreiben, wenn sie auch alleine trocken werden? Die Töpfe sollten aber auch nicht zu Stapeln getürmt auf dem Abtropfgestell neben der Spüle trocknen, so dass sie anschließend noch einmal in die Hand genommen und aufgeräumt werden müssen. Eine ideale Lösung bietet der Topfschrank in der Frankfurter Küche.

 


Topfschrank im mayhaus. Unten die Abtropfwanne, das Gitter fehlt hier
(Foto: Christina Treutlein)

 

Hier liegen die Töpfe und Deckel nicht wie heute üblich auf ebenen Regalböden, sondern ordentlich aneinander gereiht auf Stäben, die an den Schmalseiten des Schrankes in gezackten Holzleisten stecken. Durch die Zacken in unterschiedlichen Höhen konnten die Stäbe leicht schräg eingespannt werden, so dass das Wasser von den Töpfen abtropfen konnte.

   
Rechts: Töpfe liegen auf höhenverstellbaren Stäben; Links: Lüftungsschlitze in der Schranktüre
(Fotos: Christina Treutlein)

 

Die unterste Ebene war ein schwarz lackierter metallener Rost, auf dem kleine Töpfe ihren Platz fanden. Da der Topfschrank aus Holz gebaut wurde, befand sich auf dem Schrankboden eine Metallwanne, in der sich das Abtropfwasser sammelte. So versickerte das Wasser nicht unten im Schrank, es konnte aufgewischt werden und der Schimmelbildung war vorgebeugt. Durch Lüftungsschlitze oben und unten in den Schranktüren zirkulierte zudem die Luft, so dass die Töpfe hygienisch trockneten.

Die Stahl-Emaille-Wanne ist außen schwarz und innen weiß. Aufgrund der hellen Farbe wirkte das Schrankinnere nicht allzu duster. Drei Löcher in der Wanne bezeugen, dass sie mit Nägeln im Schrankboden fixiert wurde.

 

 

Der Versuch, eine Abtropfwanne aus einer Küche in der Straße Im Heidenfeld in die Frankfurter Küche im mayhaus (Im Burgfeld) einzubauen, scheiterte an wenigen Millimetern. Aufgrund unserer Untersuchungen von Frankfurter Küchen wissen wir, dass die einzelnen Schränke keine vorgefertigten Einbauteile waren, wie wir es von unseren Küchen heute kennen. Jede Frankfurter Küche wurde von Schreinern vor Ort individuell angefertigt – kleine Größenvariationen eingeschlossen. Waren folglich die Abtropfgitter und Wannen auch kein in der Fabrik hergestelltes und in der Größe genormtes Massenprodukt, sondern passgenau für jede Küche gefertigte Einzelstücke?

 

Text: Christina Treutlein