Von: ct
09.09.2020

Exponat des Monats September 2020

Fensterolive


Fensterolive ist die heute nur noch selten gebräuchliche Bezeichnung für den Fenstergriff. Durch das Drehen des Griffs um 90 Grad betätigt man den hinter dem Beschlag verborgenen Mechanismus, welcher den Riegel in die Position bringt, um den Fensterflügel zu öffnen bzw. zu verschließen.

 


Fensterolive, Entwurf: Ferdinand Kramer
Foto: Christina Treutlein, ernst-may-gesellschaft e.V.

 


Rückseitige Schließmechanik
Foto: Christina Treutlein, ernst-may-gesellschaft e.V.

 

Der Begriff Fensterolive geht auf dessen frühere Form zurück, als der Griff tatsächlich einer Olive ähnlich war und sich zu den Spitzen hin verjüngte. Wie so oft im Neuen Frankfurt der Jahre 1925 bis 1931 nutzte man weiter die alten Begriffe, doch den Objekten verlieh man eine neue, moderne Form. So auch der Architekt Ferdinand Kramer (1898-1985), der diese Fensterolive 1925 entwarf. Statt der organischen Form einer Olive wählte Kramer für den Griff das Rechteck. Ohne schwungvolle Formen und Dekorationen erschien die Gestalt dieses Gebrauchs-gegenstandes vielen seiner Zeitgenossinnen und -genossen damals jedoch recht primitiv, aber Kramer folgte mit dem schnörkellosen, schlichten Design dem Ziel, neue Formen für das gerade erst angebrochene Zeitalter der Industrialisierung zu finden. Die schlichte Form war bestens für die maschinelle Massenproduktion geeignet und die rechteckige Fensterolive avancierte zum Standardmodell des Frankfurter Hochbauamts. Neben der Herstellung war auch das Material vergleichsweise preiswert, denn sie wurde aus Eisen gefertigt. Während die Fensteroliven im mayhaus und das aus einer Wohnung im Ladenhausblock (Hadrianstraße, Siedlung Römerstadt) stammende Ausstellungsstück materialsichtig sind, gibt es auch Modelle mit einem Überzug aus gebranntem Schwarzlack. Produziert wurde die zu Tausenden in den Wohnungen des Neuen Frankfurt verbaute Fensterolive von der Firma Ernst Schönau aus Frankfurt am Main.

 


Fensterolive im mayhaus
Foto: Christina Treutlein, ernst-may-gesellschaft e.V.

 

Der massenhafte Einsatz von billigen Standardmodellen fügte sich in das erklärte Ziel der Stadt Frankfurt, die Wohnungsnot durch den massenhaften Bau von günstigen aber gesunden Wohnungen zu beheben. Dabei waren Kramer und seine Kollegen der Ansicht, dass qualitätsvolles Wohnen auf kleinem Raum nur dann möglich sei, wenn die Wohnung bis ins Detail durchdacht und gestaltet wurde. Somit standen auch so kleine Gebrauchsgegenstände wie Fensteroliven im Fokus der Gestalter. Heute sind diese Objekte begehrte Sammlerstücke.

 

Text: Christina Treutlein