Von: fw
16.04.2026

Donnerstag, 16. April 2026, 18.30 Uhr

Siedlungsgespräch
Eine Stadt in der Stadt - Das Chemnitzer Wohngebiet „Fritz Heckert“


Vortrag: Nobert Engst, Landschaftsarchitekt, Autor zu Themen der Ostmoderne und Mitglied des Chemnitzer Geschichtsvereins
Ort: Forum Neues Frankfurt, Hadrianstraße 5, 60439 Frankfurt-Römerstadt

 


Foto: Udo Pellmann, Broschüre "Karl-Marx-Stadt – Blühende Stadt, die seinen Namen trägt"

1971 verabschiedete der VIII. Parteitag der SED ein umfassendes sozialpolitisches Programm, dessen Schwerpunkt im Wohnungsbau lag. Ziel war es, die Wohnverhältnisse für mehr als die Hälfte der Bevölkerung der DDR zu verbessern. Mithilfe industrieller Bauverfahren, insbesondere der Plattenbauweise, sollten die Voraussetzungen für eine deutlich gesteigerte Bauleistung geschaffen werden. Der sogenannte komplexe Wohnungsbau bezog dabei nicht nur den Wohnraum selbst ein, sondern auch die dazugehörige soziale Infrastruktur wie Schulen, Kindergärten, Sportanlagen, Polikliniken und Einkaufseinrichtungen.

Am 7. Oktober 1974, dem 25. Jahrestag der DDR-Gründung, wurde symbolisch der Grundstein für das Wohngebiet „Fritz Heckert“ gelegt. Bis 1990 entstanden im Süden Karl-Marx-Stadts rund 32.000 Wohnungen für etwa 92.000 Menschen, vier von zehn Kinder der Stadt wuchsen hier auf. Damit entwickelte sich eines der größten zusammenhängenden Neubaugebiete der DDR. Eine Wohnung in dem neuen Wohngebiet zu erhalten, galt für viele als 6er im Lotto.

Nach 1990 erlebten Chemnitz und damit auch das Wohngebiet „Fritz Heckert“ einen tiefgreifenden Strukturbruch. Der Niedergang zahlreicher Großbetriebe, Unternehmensinsolvenzen und der Verlust vieler Arbeitsplätze führten zu einem deutlichen Bevölkerungsrückgang. Zugleich entstanden neue Wohnalternativen außerhalb des Wohngebiets. Das gesellschafts-politische Fundament, auf dem die Satellitenstadt einst errichtet worden war, geriet ins Wanken. Im Zuge des Bund-Länder-Programms „Stadtumbau Ost“ sank die Zahl der Wohnungen auf rund 21.000, die Einwohnerzahl liegt heute bei etwa 38.000.

 


Foto: Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung, Signatur D1 28 53 001

Die umfangreiche Transformation des Fritz-Heckert-Gebiets fand jedoch auch überregional und international Beachtung. Einzelne architektonische Projekte wurden ausgezeichnet oder in Fachzeitschriften vorgestellt und rückten das Wohngebiet in den Fokus städtebaulicher Diskussionen.

Im Jahr 2024 beging die „Stadt in der Stadt“ ihr 50-jähriges Bestehen. Anlässlich des Kulturhauptstadtjahres 2025 würdigte die Deutsche Post im Rahmen der Reihe „Zeitreise Deutschland“ den Wandel des Wohngebiets mit einer Sonderbriefmarke. Heute blicken viele Bewohner selbstbewusst und mit Stolz auf die Veränderungen und die Entwicklung ihres Stadtteils.

 

Eine Veranstaltung im Rahmen von 100 Jahre Neues Frankfurt, gefördert vom Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main.