29.12.2015

Exponat des Monats Januar 2016

Ein Kinderstuhl von Heinrich Helbing


Der Ent­wurf des zer­leg­ba­ren Kin­der­stuh­les von Hein­rich Hel­bing (1903 – 1973) stammt aus dem Jahr 1963. Der Ar­chi­tekt Hel­bing war von 1945 bis 1966 Lei­ter der Ab­tei­lung „In­nen­aus­bau und Möbel“ an der Staat­li­chen Werk­kunst­schu­le Kas­sel. An­lass für den Ent­wurf war eine Son­der­aus­stel­lung der Werk­kunst­schu­le in Paris, auf der der Stuhl erst­mals ge­zeigt wurde und auf gro­ßes In­ter­es­se stieß. Die Fer­ti­gung und den Ver­trieb über­nah­men die Hen­kel-Wer­ke Göt­tin­gen GmbH.

Der Bau­satz ist in einem far­big be­druck­te Kar­ton (Ent­wurf Oskar Blase) ver­packt und lässt sich mit dem bei­ge­füg­ten Schrau­ben­dre­her in we­ni­gen Mi­nu­ten zu­sam­men­bau­en. Der Kin­der­stuhl Mo­dell 370 war in Buche natur sowie in den Far­ben blau und rot lie­fer­bar. Als Er­gän­zung war ein for­mal pas­sen­der Kin­der­tisch (Mo­dell 31) er­hält­lich. Den er­folg­rei­chen Kin­der­stuhl ent­wi­ckel­te Hel­bing zu einem Stuhl für Er­wach­se­ne wei­ter. Die­ser er­hielt eine ge­pols­ter­te Sitz­flä­che und wurde zu­sam­men mit einem schlich­ten Tisch eben­falls von den Hen­kel-Wer­ken ver­trie­ben.

Hein­rich Hel­bing war in den 1920er Jah­ren als Mit­ar­bei­ter im Büro des Ar­chi­tek­ten Adolf Meyer ein Teil des Neuen Frank­furt. Nach dem Weg­gang Ernst Mays in die UdSSR 1930 kehr­te der ge­bür­ti­ge Kas­sela­ner Hel­bing in seine Hei­mat­stadt zu­rück, wo er mit Un­ter­bre­chun­gen bis zu sei­nem Tod tätig war. Seit Ok­to­ber 2015 ist die ernst-may-ge­sell­schaft dank der groß­zü­gi­gen Schen­kung sei­nes Soh­nes Ul­rich Hel­bing im Be­sitz eines Teil­nach­las­ses des Ar­chi­tek­ten.

Text: Dr. Eck­hard Her­rel, C. Ju­li­us Reins­berg