Von: fw
20.10.2026

Exponat des Monats Oktober 2026

Abfall-Schütte


Zu den wohl markantesten Elementen der Frankfurter Küche zählen die Aluminium-Schütten, in denen trockene Lebensmittel aufbewahrt wurden. Doch diese Schütte hier ist anders, denn sie ist sehr viel größer als die Vorratsschütten. Aber auch sie ist eines der vielen praktischen Details, welche die Frankfurter Küche auszeichnen: die Abfall-Schütte. Margarete Schütte-Lihotzky nannte sie auch „Rinne für Küchenabfälle“.

 

 
Abfall-Schütte aus der Frankfurter Küche (Foto: Christina Treutlein) 

 

Die Abfall-Schütte befand sich am Rand der Arbeitsplatte und war für die hier anfallenden Abfälle gedacht. Wenn die Hausfrau beispielsweise an der Arbeitsplatte unter dem Fenster saß und Kartoffeln schälte, konnte sie die Schalen einfach und schnell zur Seite wischen. Hier befand sich ein Ausschnitt in der Arbeitsplatte, unter der die Abfall-Schütte angebracht war. So fiel nichts auf den Fußboden, die Arbeitsplatte war schnell wieder sauber. Nach der Arbeit konnte die Abfall-Schütte einfach herausgezogen werden, um den darin gesammelten Inhalt im Hausmüll zu entsorgen, der sich am anderen Ende der Küche unter dem Besenschrank befand.

 


Frankfurter Küchen von 1927 (Foto: Paul Wolff, Sammlung ernst-may-gesellschaft e.V.)

 

Hygiene war ein wichtiges Thema bei der Gestaltung der Frankfurter Küche. Durch die Abfall-Schütte blieb nicht nur die Arbeitsplatte stets sauber, auch die Schütte selbst konnte einfach gereinigt werden. Sie besteht aus weiß emailliertem Metall, dessen glatte Oberfläche sich leicht reinigen lässt. Die Form ist schlicht und funktional, so dass es keine Ritzen gibt, in denen sich Schmutz sammeln kann. Um das Ausschütten des Abfalls zu erleichtern, ist die dem Henkel gegenüberliegende Seite abgeschrägt. So rutscht der Müll ohne weiteres Zutun in die Tonne.

Die Schütte misst 45 cm in der Länge, 15 cm in der Breite und ist 13 cm hoch. Die Längsseiten der Schütte sind um 90 Grad nach außen gebogen, so dass sie wie eine Schublade auf den beiden Schienen unter der Arbeitsplatte aus Buchenholz gleiten konnte. 

In der Frankfurter Küche im mayhaus ist diese Abfall-Schütte nicht zu finden. Warum, das kann nicht abschließend geklärt werden. Ein Grund könnte sein, dass es verschiedene Typen von Frankfurter Küchen gab, die unterschiedlich ausgestattet waren. Dies geht auf die Entwicklung der Küchen im Laufe der Jahre zurück, mit denen Schütte-Lihotzky auf die Nutzungserfahrungen der Hausfrauen reagierte. So gab es in den ersten Küchen beispielsweise 18 Vorratsschütten im Unterschrank neben der Spüle. Dies fanden die Hausfrauen unpraktisch, weshalb die Schütten in späteren Typen, wie dem im mayhaus, in geringerer Zahl über dem Topfschrank angeordnet wurden. Vielleicht empfanden die Hausfrauen auch die Abfall-Schütte als unpraktisch, weil sie die Arbeitsfläche schmälerte?

 

Text: Christina Treutlein