Dort, wo Menschen zusammen leben, entsteht Müll: Hausmüll, Kehricht von der Straße, Fäkalien, Industrieabfälle. Über Jahrhunderte wurde jeglicher Müll auf die Straßen oder in Flüsse gekippt, was zur Ausbreitung von Seuchen und gravierenden Umweltschäden führte. Erst mit der Einführung des kommunalen Müllmanagements bekam man diese Probleme allmählich in den Griff. Doch von einer Kreislaufwirtschaft, in der es so gut wie keinen Müll mehr gibt, ist man selbst heute noch weit entfernt.
1909 wurde in Frankfurt-Niederrad die erste Müllverbrennungsanlage in Betrieb genommen, die sich aber schon bald als unwirtschaftlich erwies und stillgelegt wurde. Deponien waren das weiterhin nötige Übel. Auf dem Frankfurter Stadtgebiet gab es zahlreiche Deponien. Oftmals wurden Gruben mit Müll befüllt, auch in Heddernheim. Man dachte sogar darüber nach, die seit der Nidda-Regulierung abgetrennten Flussarme mit Müll zu füllen. 1926 wurde Frankfurts wohl bekannteste Deponie, der "Monte Scherbelino" in Betrieb genommen. Eine Rohstofftrennung beim Hausmüll gab es in den 1920er Jahren noch nicht. Erst auf den Mülldeponien sortierten Rohstoffsammler*innen verwertbares Material von Hand heraus. Altglascontainer gibt es in Frankfurt seit 1978!
Die erste Müllabfuhr in Frankfurt ging am 1. April 1873 in Betrieb. Das städtische Fuhramt war fortan für den kostenlosen Abtransport von Straßen- und Hausmüll zu-ständig. Damit war Frankfurt die erste deutsche Stadt, deren Müllabfuhr in kommunaler Hand lag. Die Müllwägen wurden von Pferden gezogen. Als den Menschen nach dem Krieg und der Weltwirtschaftskrise Mitte der 1920er Jahre allmählich besser ging, stieg die Müllmenge stark an und das städtische Fuhramt war mit der Müllabfuhr überlastet. Deshalb setzte sich Oberbürgermeister Ludwig Landmann auch dafür ein, die Müllabfuhr zu modernisieren. 1926 wurden die 110 Pferdegespanne durch 18 Krupp-Motorenwagen ersetzt und führten Standardmülltonnen ein. Ab 1941 waren Zwangsarbeiter für Müllabfuhr tätig.

Mülltonnen an den „Mistwegen“, Siedlung Römerstadt, 1940 (Foto: privat)
Doch wohin mit den neuen Standardmülltonnen? Dass beim Bau der Siedlungen des Neuen Frankfurt für sie keine Abstellorte mitgedacht wurden, zeigt das Straßenbild bis heute. In den 1920er Jahren standen die Mülltonnen in der Römerstadt auf den sogenannten Mistwegen zwischen den Gärten der Reihenhauszeilen. In den 1960er Jahren, als sie mit der weiter steigenden Müllmenge in Zuge des „Wirtschaftswunders“ immer häufiger geleert werden mussten, wurden sie an der Straße abgestellt. Einige Jahre später war man dieses Anblicks überdrüssig und baute Einhausungen aus Beton. Die Einhausungen in den Vorgärten gibt es nicht mehr. Einige wurden aber zu Mülltonnensammelplätzen ausgeweitet. An allen Bastionen trüben heute Mülltonnensammelplätze den Blick auf die Grünflächen der Bastionen. Nicht nur hier in der Römerstadt drängen sich bei diesem Anblick Fragen auf: Wohin mit unserem Müll? Wie können wir die Müllmenge reduzieren? Wie kommen wir endlich zur Kreislaufwirtschaft?

Mülltonnen an der Straße Im Heidenfeld, 1963 (Foto: privat)

Eingehauste Mülltonnen in der Straße Im Burgfeld, 1996 (Foto: privat)
Text: Christina Treutlein
Quelle: Jutta Zwilling: Das Frankfurter Müllbuch. Stadtsauberkeit im Wandel der Zeit. Frankfurt am Main, 2024